„Basketball ist mehr als Regeln – es geht um Menschen.“
Ein Gespräch mit Rudi Steinkamp über Schiedsrichterwesen, Motivation und Nachwuchsförderung im Basketball.

- 30.06.2026, 07:00
Im Rahmen des Verbandstages war Rudi Steinkamp gemeinsam mit seiner Frau Karin als Ehrenmitglied ein gern gesehener Gast. Der ehemalige Basketball-Bundesliga-Schiedsrichter und langjährige Funktionär prägte den Basketballsport über Jahrzehnte als Trainer, Manager und Förderer des Nachwuchses maßgeblich mit. Im Gespräch mit Vincent Brockmann blickt er auf seine Anfänge im Basketball zurück und schildert die Entwicklungen im Schiedsrichterwesen. Lieber Rudi, wir bedanken uns herzlich für deine Zeit und dein Engagement und wünschen euch weiterhin alles Gute.
Du bist schon seit so vielen Jahren im Basketball aktiv und engagierst dich bis heute. Was motiviert dich, immer noch so dabei zu sein?
Rudi: „Entscheidend ist, dass man sich wohlfühlt. Aber diese lange Zeit mit Basketball ist nur mit Karin an meiner Seite möglich gewesen, die mich über all die Jahre unterstützt, begleitet und mir immer den Rücken freigehalten hat. Gerade im Schiedsrichterbereich gibt es viele talentierte junge Leute, die früh anfangen – mit 14 oder 16 Jahren. Aber Basketball ist mehr als Regeln – es geht um Menschen. Organisation, Kommunikation und der Austausch mit anderen gehören genauso dazu. Für mich war immer wichtig, dass man Menschen ernst nimmt und ihnen etwas mitgeben kann. Wenn junge Schiedsrichter Interesse zeigen, Fragen stellen und sich entwickeln wollen, motiviert mich das enorm.“
Was versuchst du jungen Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern mitzugeben?
Rudi: „Der wichtigste Punkt ist: Man muss wollen. Talent allein reicht nicht aus. Wenn jemand wirklich Interesse hat und bereit ist zu lernen, merkt man das schnell. Dann lohnt es sich auch, Zeit zu investieren. Mir ist Feedback sehr wichtig. Nicht einfach nur Kritik, sondern gemeinsam überlegen: Was war gut? Was kann besser werden? Davon profitieren nicht nur die einzelnen Schiedsrichter, sondern langfristig auch die Vereine und der Basketball insgesamt.“
Was macht für dich gutes Coaching von Schiedsrichtern aus?
Rudi: „Man setzt sich nicht einfach hin und bewertet nur das Spiel. Man bereitet sich vor und arbeitet intensiv mit den Leuten. Nach dem Spiel gemeinsam Situationen besprechen, Fragen stellen und auch die Kollegen einbeziehen – das bringt Entwicklung. Wichtig ist, dass die Rückmeldung ernst gemeint ist und nicht einfach nur Kritik um der Kritik willen. Wenn jemand merkt: Da beschäftigt sich wirklich jemand mit mir, dann entsteht Motivation.“
Wie bist du selbst damals zum Schiedsrichterwesen gekommen?
Rudi: „Ich bin in Bremerhaven aufgewachsen – das war damals eine echte Basketball-Hochburg. Dort gab es starke Schiedsrichter bis in höhere Ligen, von denen ich viel gelernt habe. Eigentlich kam der Wechsel durch eine Verletzung als Spieler. Irgendwann habe ich gesagt: Jetzt gehe ich einen anderen Weg. Dann habe ich relativ schnell die A-Lizenz gemacht und mich weiterentwickelt. Vor allem die Vorbilder damals haben mich motiviert.“
Was hat sich im Schiedsrichterwesen im Vergleich zu früher verändert?
Rudi: „Es ist deutlich professioneller geworden. Früher lief vieles informeller ab. Prüfungen waren anders organisiert, man hat manches lockerer gehandhabt. Heute ist alles strukturierter und präziser. Auch auf dem Spielfeld ist das Niveau gestiegen. Entscheidungen werden stärker analysiert und Schiedsrichter erhalten deutlicheres Feedback der Spieler.“
Hat sich auch das Miteinander unter Schiedsrichtern verändert?
Rudi: „Ja, auch das ist professioneller geworden. Heute wird stärker im Team gearbeitet. Gleichzeitig steht man mehr unter Beobachtung und die Anforderungen sind gestiegen. Aber genau deshalb ist Zusammenarbeit so wichtig – voneinander lernen, sich austauschen und gemeinsam besser werden.“
Du bist trotz deiner langen Zeit weiterhin aktiv. Hast du heute noch Ziele?
Rudi: „Ziele gibt es immer. Mein Ziel ist vor allem, gesund zu bleiben und weiter etwas weiterzugeben. Ich gehe noch regelmäßig zu Spielen, spreche mit Schiedsrichtern und biete nach dem Spiel Austausch an. Dann frage ich: Habt ihr Interesse? Wollen wir kurz sprechen? Oft sind die jungen Leute dankbar dafür. Es geht nicht darum zu sagen, was falsch war, sondern gemeinsam Situationen zu verstehen.“
Was möchtest du jungen Schiedsrichtern zum Abschluss mitgeben?
Rudi: „Es gibt viele gute junge Schiedsrichter. Diejenigen, die offen bleiben, Feedback annehmen und neugierig sind, entwickeln sich oft besonders gut. Man lernt nie aus – egal wie lange man schon dabei ist. Und genau das macht den Reiz aus.“



