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Innovatives Mini-Turnier in Ostfriesland

Tolle Entwicklung im Mini-Basketball.

In Ostfriesland hat sich im vergangenen Jahr ein monatliches Miniturnier entwickelt. Im Interview erklärt uns Jan-Uwe Barth wie es zu diesem tollen Format gekommen ist. 

Jan-Uwe Bart ist 47 Jahre alt und seit über 35 Jahren selbst als Spieler beim TV Oldersum aktiv. Neben seiner langen Spielerkarriere hat er immer wieder Herrenmannschaften – meist als Spielertrainer – betreut und ist seit drei Jahren im Minibereich aktiv, unter anderem auch aus persönlichem Antrieb, da seine eigenen Kinder dort eingestiegen sind. Beruflich arbeitet er bei der Sparkasse. Uwe, vielen Dank für deine Zeit und die spannenden Einblicke! 

 

Wie entstand die Idee hinter den Mini-Turnieren und wer war alles beteiligt?

„Die Idee entstand zum Ende der vergangenen Saison aus einem gemeinsamen Austausch ostfriesischer Vereine. Initiator war Karl-Heinz Pünter (MTV Aurich).

Der MTV Aurich und wir hatten bereits Erfahrungen im regulären NBV-Spielbetrieb der U10 gesammelt, stellten aber fest, dass dieses Format für unsere regionale Struktur nur bedingt geeignet ist.

Ausschlaggebend waren vor allem die sehr langen Fahrtstrecken im Bezirk (teils über 70 km einfach), die deutlichen Leistungsunterschiede zwischen kleinen ländlichen Vereinen und großen Standorten, der hohe zeitliche Aufwand durch feste Spieltermine sowie erste Abmeldungen von Kindern nach sehr einseitigen Spielen. Diese Punkte waren auch ausschlaggebend von anderen Vereinen, gar nicht erst für den Spielbetrieb zu melden.

Gleichzeitig bestand Einigkeit darüber, dass Kinder im Mini-Bereich Wettbewerb brauchen, um sich sportlich und sozial weiterzuentwickeln. Ziel war daher ein Format, das Wettkampf ermöglicht, ohne Überforderung zu erzeugen, und dabei den Aufwand für Vereine und Familien begrenzt.“

Wie wird der aktuelle Spielbetrieb organisiert?

„Statt einer klassischen Liga wurde eine monatliche Turnierform für die Altersklassen U10 und U12 entwickelt (altersklassengetrennt).

Wesentliche Eckpunkte sind ein Turniertag pro Monat je Altersklasse mit Spielen über 4 × 5 Minuten durchlaufender Zeit, bei denen Wechsel nur in den Viertelpausen erfolgen. Gespielt wird nach den DBB-Miniregeln, ohne Anzeige der Punkte und ohne Platzierungen oder Tabellen. Jedes Kind erhält nach dem Turniertag eine Teilnehmerurkunde.

Ein zentrales Element ist die Flexibilität bei der Mannschaftsbildung: Vereine können je nach Kadergröße ein oder mehrere Teams stellen. So ist gewährleistet, dass alle Kinder ausreichend Spielzeit erhalten – auch bei größeren Trainingsgruppen oder wechselnder Anwesenheit. Mindestens 3-4 Tage vor dem Turniertag sollte die Anzahl der Mannschaften aber feststehen, um einen entsprechenden Spielplan erstellen zu können“

Wer ist alles daran beteiligt und wie groß ist der Aufwand?

„Aktuell beteiligen sich acht Vereine, aus denen pro Turniertag 8–10 Teams gebildet werden.

Die Teams werden leistungsorientiert in zwei Gruppen eingeteilt, um sehr einseitige Spiele („Killer-Spiele“) zu vermeiden. Leistungsstärkere und leistungsschwächere Kinder spielen jeweils unter sich.

Weitere organisatorische Punkte sind die wechselnde Austragung der Turniere bei den beteiligten Vereinen sowie ein paralleler Spielbetrieb auf zwei Feldern bei einer Gesamtdauer von maximal etwa drei Stunden. Jedes Team absolviert dabei 3–4 Spiele. Die Schiedsrichter werden vereinsübergreifend gestellt und arbeiten mit klarem pädagogischem Fokus, ergänzt durch ein kleines Catering des Ausrichters zur Kostendeckung und besseren Einbindung der Eltern. 

Die gesamte Koordination erfolgt unkompliziert über eine WhatsApp-Gruppe der beteiligten Trainer. Die Termine werden vor der Saison gesammelt und frühzeitig kommuniziert, auch an die Eltern.

Zusätzlich haben wir uns darauf verständigt, dass jeder Mannschaftsverantwortliche mindestens ein Mini-Trainer-Zertifikat oder eine Trainerlizenz besitzen muss, um einen einheitlichen und kindgerechten Umgang sicherzustellen.“

Was ist die Auswirkung auf die Kinder und wie war die Entwicklung?

„Die Resonanz ist durchweg positiv: Wir sehen steigende Kinderzahlen in nahezu allen Vereinen, sodass einzelne Vereine mittlerweile mehrere Teams stellen können. Die Kinder sind hoch motiviert und sehen den Turniertag als monatliches Highlight. Gleichzeitig entsteht eine entspannte Atmosphäre ohne Ergebnisdruck, die von den Eltern sehr positiv aufgenommen wird.

Aus unserer Sicht überträgt sich das gemeinsame, ruhige und kindzentrierte Auftreten der Trainer direkt auf Eltern und Kinder. Die Turniere werden als sportliches „Happening“ wahrgenommen, nicht als Leistungskontrolle.

Wie können andere Vereine teilnehmen oder eigene Turniere organisieren?

„Neue Vereine aus der Region werden jederzeit gerne aufgenommen.

Gleichzeitig besteht Einigkeit darüber, das Format bewusst regional zu halten, da kurze Wege ein entscheidender Erfolgsfaktor sind, neben der Tatsache, dass Einigkeit über den Ablauf herrscht (keine Killer-Spiele, Spaß am Sport steht an aller erster Stelle)

Für andere Regionen halten wir das Modell grundsätzlich für übertragbar – Voraussetzung ist jedoch eine kleine Gruppe engagierter Verantwortlicher, die sich über Ziele und Umgang einig sind.

Von Verbandsseite wäre vor allem Unterstützung bei der Koordination von Terminen, der Bereitstellung einer organisatorischen Plattform sowie bei der initialen Vernetzung interessierter Vereine hilfreich.

Gibt es auch Mini-Turniere für Mädchen?

„Parallel versuchen wir, den Mädchen-Basketball im Mini-Bereich zu stärken.

Da reguläre Ligen häufig nur über große Entfernungen möglich sind, haben wir testweise ein reines Mädchen-Turnier (U10/U12) organisiert. Die Resonanz war sehr positiv, auch wenn die Teilnehmerzahl noch überschaubar ist. (Insgesamt 6 Mannschaften)

Perspektivisch könnten hier auch überregionale Turniere (2–3 pro Saison) ein sinnvoller Ansatz sein – ggf. unter NBV-Federführung.“

Interview von Vincent Brockmann

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