NBV-Förderlehrgang am 19./20. Juni 2010 in Winsen
Voller völlig unterschiedlicher Erwartungen trafen am 19. Juni 2010 um 11.00 Uhr 20 ambitionierte Schiedsrichter unterschiedlichsten Alters (der Jüngste 13, der Älteste 36) an der Sporthalle in Winsen-Luhdorf ein. Nach einer kurzen Begrüßung durch die Referenten Frowine Gätjen (Schiedsrichterin der 2. Regionalliga und zuständig für die Ausbildung und Förderung im NBV), Armin Gellert (Schiedsrichter der 2. Regionalliga und Schiedsrichtereinsatzleiter der Oberliga), Alexandra Jage (erfolgreiche Trainerin des TUS Lichterfelde), Holger Lohmüller (ProB Schiedsrichter und Vizepräsident für das Schiedsrichterwesen im NBV) und Mathias Rucht (BBL Schiedsrichter und Schiedsrichterwart der Regionalliga Nord) folgte eine Vorstellungsrunde in der jeder Teilnehmer ein wenig über sich erzählte und seine Motivation darlegte.
Nachdem die mit dem obligatorischen Regeltest einhergehende Anspannung von allen Teilnehmern nach dessen Abgabe abfiel, ging es auch schon in die Halle, in der wir die erste Praxiseinheit mit einem abwechslungsreichen Aufwärmtraining begannen. Anschließend folgte, was wohl den meisten am besten gefiel: 5 gegen 5. Da stellt sich natürlich die Frage: Was hat das mit Schiedsrichterei zu tun? Selbstverständlich wurden fünf Schiedsrichterpaare ausgesucht, die die Spiele leiteten und währenddessen gefilmt wurden. Im Anschluss daran schaute sich die Gruppe der zehn Schiris, die schon gepfiffen hatten, die Videoaufnahmen an, um selbst herauszuarbeiten, welche Dinge noch zu optimieren sind. Sei es Schiedsrichtertechnik, Laufwege, die Anzeige zum Kampfgericht, die Kommunikation mit den Trainern, das Lösen von Stresssituationen oder auch die Körperhaltung.
In der Zwischenzeit arbeitete die andere Hälfte der Gruppe mit Hilfe unterschiedlicher Drills auf den perfekten Umgang mit der Pfeife hin. Wie laut und wie lang muss ein Pfiff sein? Wie ist der Pfiff mit den Handzeichen zu kombinieren? Weiterhin bekamen wir Tipps für eine optimale Anzeige am Kampfgericht und Verbesserungsvorschläge für unsere Laufwege.
Der nächste Programmpunkt beinhaltete eine Einheit, die für viele völlig neu, aber sehr hilfreich war. Behandelt wurden die verschiedenen Erwartungshaltungen der am Spiel beteiligten Parteien: Spieler, Trainer und Schiedsrichter. In Kleingruppen wurden die unterschiedlichen Knackpunkte herausgearbeitet und der ganzen Gruppe vorgestellt. Gestellte Fragen waren unter anderem: Was erwartet ein Trainer von einem Schiedsrichter? Was erwartet ein Schiedsrichter von sich selbst, seinem Kollegen und von einem Trainer? Hier wurde jedem die Gelegenheit gegeben, von seinen eigenen Erfahrungen zu berichten und Fragen sowohl an Alexandra als auch an die anwesenden Schiris zu stellen.
Doch auch die Praxis kam an diesem Tag nicht zu kurz. Es folgte eine Übungseinheit in der die Schiedsrichtertechnik im Vordergrund stand. Bei 1-gegen-1-Situationen musste entschieden werden, wer für den Kontakt verantwortlich war – nicht selten war hierbei ein kurzer Blickkontakt nötig, um bei Doppelpfiffen eine Entscheidung als Team zu fällen.
Nach der wohlverdienten Dusche wurden bei einem gemeinsamen Abendessen im Hotel Europa in Winsen Erfahrungen, Tipps und Anekdoten ausgetauscht, bis schließlich alle in ihre Hotelzimmer verschwanden, um für den nächsten Tag fit und einigermaßen ausgeruht zu sein.
Auch wenn so manch einer gehofft hatte, dass es regnen möge, so fand am Sonntagmorgen doch der versprochene Frühlauf um 7:30 Uhr statt. Obwohl der Lauf seine erhoffte Wirkung verfehlte und die Gruppe dadurch nicht unbedingt zusammenwuchs, waren doch alle froh mitgelaufen zu sein und freuten sich aufs Frühstücksbuffet.
Allerdings folgte in der Halle angekommen eine böse Überraschung. Hatten die Referenten tags zuvor noch versprochen, dass wir den FIBA-Test nicht machen müssten, änderten sie ihre Meinung und so durften wir am eigenen Leib erfahren, was für eine Prüfung Oberliga-Schiedsrichter zu bestehen haben. Für die allermeisten waren die 68 Bahnen allerdings ohne Probleme zu meistern.
Nun durften die zehn verbliebenen Schiedsrichter ebenfalls in den Genuss eines Video-Coachings kommen und nicht selten waren dabei erstaunte Gesichtsausdrücke zu sehen, denn nur die Wenigsten hatten sich selbst schon einmal pfeifen gesehen und erst wenn man sich selbst sieht, glaubt man Dinge, die man nie für möglich gehalten hat. Während der ausführlichen Ausarbeitung der unterlaufenen Fehler per Videoanalyse übte der restliche Teil der Gruppe den souveränen Umgang mit der Pfeife sowie korrekte Laufwege und Handzeichen.
Sowohl das Feedback der Referenten als auch das der Teilnehmer fiel durchweg positiv aus. Besonders hervorgehoben wurde das Video-Coaching. Die Anwesenheit und Tipps einer erfolgreichen und professionellen Trainerin wurden als große Bereicherung angesehen. Dies war nur ein kleiner Ausschnitt aus dem umfangreichen Programm, bei dem für jeden etwas dabei war. Ich denke, jeder konnte für sich das Passende, von dem von Mathias angesprochenen Buffet, das uns angeboten wurde, mitnehmen. Ein großes Dankeschön an alle Referenten und Organisatoren für die vielen hilfreichen Tipps, aber auch an die Teilnehmer für die gute Mitarbeit, die einen reibungslosen Ablauf garantierte. Ich wünsche uns allen eine effektive Umsetzung des Gelernten!
Sarah Gellert



